Mit einer Zwangsstörung zu leben, ist wie mit einem böswilligen Diktator unter dem gleichen Dach zu wohnen.

Ein Diktator tut alles, um an der Macht zu bleiben: Tyrannei und Unterdrückung sind an der Tagesordnung, Freiheitsbewegungen werden im Keim erstickt – und man wird zu Dingen gezwungen, die man eigentlich nicht machen will. Die Parallelen zum Zwang sind nicht zu übersehen.

In vielen Staaten dieser Welt hat sich eine freiheitlich-demokratische Grundordnung durchgesetzt. Dort genießen alle Bürger grundlegende Freiheits- und Gleichheitsrechte, die Individuen vor Übergriffen eines potentiell tyrannischen Staates schützen sollen. In Deutschland heißen diese Rechte Grundrechte und sind im Grundgesetz verankert.

Ganz anders sieht es aber mit deinem Zwang aus, der vermutlich nicht wenige deiner Grundrechte ungehemmt verletzt. Aber willst du dein Leben wirklich von den Regeln eines übel gelaunten Tyrannen bestimmen lassen? Willst du nicht die Revolution gegen deinen Zwang wagen, seine Rechte ganz klar eingrenzen und damit dein selbstbestimmtes Leben zurückerkämpfen?

Wir möchten dich ermutigen, eine Liste aller deiner Grundrechte aufzustellen, die dein Zwang aktuell unrechtmäßig verletzt – und deren Verletzungen du zukünftig nicht mehr tolerieren möchtest.

Hier sind einige Beispiele:

  1. Ich habe das Recht darauf, mein Leben ohne Rituale, Vermeidungen, Grübeleien und übertriebene Anspannung zu leben.
  2. Ich habe das Recht darauf, mit anderen Menschen zusammenzukommen und meine Liebsten in den Arm zu nehmen – ohne mir übertriebene Sorgen machen zu müssen, dabei mir selbst oder anderen schaden zu können.
  3. Ich habe das Recht, mich frei zu bewegen und am öffentlichen Leben teilzunehmen, ohne ständige Schuldgefühle zu haben, mich oder andere Menschen nicht ausreichend geschützt zu haben.
  4. Ich habe das Recht, meinen Hobbys nachzugehen, mich überall mit meinen Freunden zu treffen, etwas mit meiner Familie zu unternehmen, zu reisen und alle anderen Dinge im Leben zu machen, die mir Spaß machen. Der Zwang darf mir nichts in meinem Leben verbieten.
  5. Ich habe das Recht auf freie Berufswahl und darauf, meinen Beruf ohne übertriebenes Verantwortungsbewusstsein und damit verbundene unangemessene Schuldgefühle auszuüben.
  6. Ich habe das Recht auf ein freies, erfülltes und glückliches Leben. Dafür muss ich mich nicht perfekt verhalten, die Verantwortung für alles übernehmen und jedem Menschen gefallen.
  7. Ich habe das Recht darauf, davon auszugehen, dass meine unangenehmen Zwangsgedanken, Impulse, Zweifel, Bilder, Emotionen etc. ungefährlich sind. Egal, wozu mich der Zwang drängt: Ich habe das Recht, diesen Drang zu ignorieren – genauso wie die eventuell damit einhergehenden Schuldgefühle.

Gibt es weitere Grundrechte, die dein Zwang immer wieder verletzt? Druck dir das untenstehende Arbeitsblatt aus und erstelle deine eigene Liste mit deinen Grundrechten gegen den Zwang. Verwende gerne einige der oben genannten Beispiele in angepasster Form.

Deine Liste an Grundrechten alleine wird dich noch nicht vor deinem Zwang schützen. Genauso wie sich Bürger in einem Rechtsstaat auch gegen den Staat wehren können, liegt es auch an dir, deine Rechte immer wieder neu einzufordern. Jeder unrechtmäßige Eingriff des Zwangs in deine persönliche Freiheit ermutigt ihn, seine Macht weiter auszubauen und dein Leben zu kontrollieren. Je stärker du ihn aber in seine Schranken verweist, desto mehr wird er sich aus deinem Leben zurückziehen.

Das Arbeitsblatt kannst du mit einem kostenlosen Konto herunterladen.

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Diese Übung wurde inspiriert von der Übung „Standing up to your OCD: a bill of rights“ aus dem Selbsthilfebuch Overcoming Obsessive Compulsive Disorder* von David Veale und Rob Willson.