Betroffenenberichte
Betroffene berichten in Erfahrungsberichten von ihren Zwangsgedanken, wie sie mit ihrer Zwangsstörung leben, was ihnen hilft und welche Tipps sie für dich haben. Sie alle vereint eine Botschaft: Zwangserkrankungen können überwunden werden.

Schon als Kind hatte ich eine ungewöhnlich hohe Empfänglichkeit für Angst, Grübeln und innere Anspannung. Hochsensibilität, die Trennung meiner Eltern, Erfahrungen von frühem Mobbing und ein anhaltendes Gefühl emotionaler Unsicherheit führten dazu, dass mein Nervensystem schon früh dauerhaft unter Spannung stand. Erste Symptome zeigten sich zunächst weniger eindeutig als Zwangsstörung, sondern vor allem als Angst: diffuse Sorgen, innere Unruhe und ein starkes Bedürfnis nach Sicherheit.

Meine Zwangserkrankung hat sich im Kindesalter angeschlichen, so heimlich, wie nur ein Zwang das kann. Ich dachte immer, irgendetwas sei an meinem Denken oder Verhalten „komisch“. Gleichzeitig war ich überzeugt, dass das bestimmt alle irgendwie haben. Also normal halt. Nur, dass es sich eben nicht normal angefühlt hat.

Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als mein Herz plötzlich raste. Ein Puls von 180 bpm, Schwindel, Zittern, Kribbeln in allen Gliedmaßen bis zum Einsetzen der Pfötchenstellung meiner Hände. Neben mir meine sieben Monate alte Tochter. Es war, als würde mein Körper von einer Sekunde auf die andere außer Kontrolle geraten. Ich war mir sicher, dass ich sterbe.

Im Jahr 2021 erkrankte ich an einer leichten Form der Depression, der ich neben einer kurzen psychotherapeutischen Begleitung mit einem achtsamkeitsbasierten Ansatz (d. h. Meditation etc.) begegnete. Daraus entwickelte sich jedoch schnell eine Hyperfokussierung auf den eigenen Denkprozess – eine Kontrolle der Gedankenwelt. Dies sowie meine Versuche, den Zwang mithilfe geeigneter Verfahren, unter anderem unterstützt durch ChatGPT, aufzulösen, schildere ich in diesem Bericht.

Es war ein Montag im Februar, es war sehr kalt draußen. Ich saß im Homeoffice und hatte in dieser Woche noch mehrere geplante Termine im Ausland. Plötzlich wurde mir mulmig. Ich bekam Herzklopfen, begann zu schwitzen und meine Atmung wurde unruhig. Aus dem Herzklopfen wurde ein Herzrasen und nach und nach spürte ich, wie sich eine Panikattacke anfühlt.

Mein Name ist Pauli, ich bin 31 Jahre alt und leide seit fast 20 Jahren an einer Zwangsstörung. Diese Zwangsstörung ist ein stiller, aber ständiger Begleiter, der mich und meinen Alltag oft fest im Griff hat. Es ist ein Leben voller Wiederholungen, Ängste und Rituale, die mich manchmal daran hindern, die Dinge zu tun, die mir wirklich wichtig sind. Im Sommer dieses Jahres hatte ich jedoch die Chance, sechs Wochen in der AMEOS-Klinik in Bad Aussee zu verbringen – ein Aufenthalt, der mir eine völlig neue Perspektive auf die Zwangsstörung eröffnet hat.

Mein Name ist David, ich bin 31 Jahre alt und habe die Diagnose Zwänge/Zwangsgedanken erhalten. Anfang 2023 begann ich, bewusst beängstigende und gewalttätige Zwangsgedanken zu entwickeln. In den Jahren zuvor war bei mir bereits eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) mit schweren Depressionen und suizidalen Gedanken diagnostiziert worden, weshalb ich anfangs dachte: „Kommt da wieder etwas zurück?“

"Sie haben negative Gedanken, deshalb fühlen Sie sich schlecht." Ich nicke der Therapeutin bestätigend zu. Es ist 2020 und ich habe meine erste Therapiesitzung überhaupt, irgendwo in Thüringen. Nach zwei Jahren Dunkelheit in meinem Kopf ist es an der Zeit. Ich fühle mich losgelöst von meiner Umwelt, innerlich taub und habe soziale Defizite aufgebaut. Ich erzähle der Therapeutin alles, was mich belastet. Diagnose: Dysthymie. Endlich eine Diagnose für das undefinierbare schwere Gefühl.

Ich bin 33 Jahre alt und leidenschaftliche Mama von zwei kleinen Jungs. Das erste Mal hatte ich etwa sechs Wochen nach der Geburt meines ersten Kindes im Februar 2020 bewusst mit sehr belastenden Zwangsgedanken zu tun. Mittlerweile weiß ich, dass mein Zwangsleben unbewusst schon in meiner frühen Kindheit begann.

Ich habe mich seit langer Zeit nicht mehr mit OCD Land beschäftigt. Warum? Weil ich gar nicht mehr darüber nachgedacht habe. Ist das nicht wunderbar? Dass das jemals wieder so sein könnte, war eine lange quälende Zeit gar nicht vorstellbar für mich.

Alles fing schleichend an, als mein Schwiegervater an einem tragischen Arbeitsunfall ums Leben gekommen ist und wir unsere Hochzeit, welche einen Monat später angestanden wäre, erneut um ein Jahr schieben mussten.

Seit meinem 10. Lebensjahr leide ich unter einer Angst- und Zwangsstörung. Die direkten Zusammenhänge sind mit allerdings erst durch die Informationen von OCD Land klar geworden. Damals hatte ich nach einem traumatischen Vorfall (Tod einer Bezugsperson) meine erste Panikattacke, verbunden mit der Angst, die Kontrolle über mich und meine Gedanken zu verlieren. Da ich als Kind das Ereignis emotional nicht verarbeiten konnte, öffnete sich sozusagen die Türe zum Zwang „als Bewältigungsstrategie“.

Rückblickend begann meine Geschichte mit dem Zwang nach der Pandemie. Während der Pandemie habe ich nur im Home-Office gearbeitet und so gut wie keine Menschen gesehen. Ich wollte mich und andere schützen. Was dabei wohl lange auf der Strecke blieb, war mein Bedürfnis, soziale Kontakte zu pflegen.

Seit meinem 16. Lebensjahr leide ich unter anderem an einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung. Ich habe ein lebenswertes Leben mit Perfektion gleichgesetzt und war fest davon überzeugt, dass mein „richtiges Leben“ erst dann beginnt, wenn ich perfekt bin. Viel zu hohe und unrealistische Ansprüche an mich selbst führten zu täglichem Stress und immensen Druck. Ich habe mein Verhalten extrem kritisch bewertet und zwanghaft von mir verlangt, alles „richtig“ zu machen.

Anfang 2023 machte ich eine schwierige Zeit mit einigen Schicksalsschlägen durch, die in eine depressive Phase mündeten. In dieser Zeit weinte ich viel und geriet in eine Negativ-Spirale aus Gedanken und Gefühlen, die mich bergab zogen. Inmitten dieser Spirale kam jedoch die größte Herausforderung der letzten Jahre hinzu: Es entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit eine Phase von Zwängen, wie ich sie zuvor nie erlebt hatte.

Während ich diese Zeilen schreibe, bin ich einen Tag davor, mich auf meine größte Exposition der vergangenen Monate zu begeben – und ich habe schon viele davon gemacht. Ich werde für zwei Wochen alleine nach Italien fahren. Warum ist das meine größte Exposition? Weil für mich von Oktober bis heute die schwierigsten Momente die sind, in denen ich alleine bin. Ich fahre also an die schönsten Orte der Welt, freue mich darauf sehr, habe aber dennoch ein mulmiges Gefühl – schon eine komische Sache, der Zwang.

Schon als Kind war ich oft ängstlich und besorgt, weswegen mich meine Eltern früh zu Pädagogen und Psychologen schickten. Ich habe viele Verhaltenszüge, die häufig bei Betroffenen von Zwangsstörungen auftreten: übertrieben hohe Standards, übertriebenes Verantwortungsbewusstsein und die sogenannte „behavioral inhibition“, wegen der ich mich gerade als Kind beim Kontakt mit neuen Personen oder Orten zurückgezogen oder versteckt habe.

Ich kann mich noch genau an den Tag im Urlaub erinnern: Ich stand mit meinem Freund im Meer, sah das Glitzern im Wasser und spürte die Sonne auf meiner Haut. Alles war ruhig und friedlich – für mich eigentlich ein perfekter Tag. Ich war unglaublich glücklich, dass ich nach einer sehr turbulenten und belastenden Zeit mit meinem Freund im Urlaub war.

Dass ich mal einen Betroffenenbericht schreibe, hätte ich nicht gedacht. Ich möchte ihn schreiben, um allen Mut zu machen - ob du dich in einer schweren Zwangsphase, mitten in der Therapie oder schon auf dem Weg der Besserung befindest.

Hallo zusammen, mein Name ist Vinsent. Ich bin 21 Jahre alt und möchte euch gerne über meine Erfahrungen mit OCD berichten und was mir geholfen hat. Wie hat alles angefangen? Grundsätzlich hatte ich als Kind schon kleine Zwänge, jedoch war ich nie von großer Angst geplagt, bis ich mit 17 Jahren meine erste große OCD-Episode hatte.

Ich habe seit meinem 17. Lebensjahr Zwänge verschiedenster Art. Diagnostiziert wurde - wie bei Zwangspatient*innen oft üblich - alles natürlich viel später, nämlich erst vor einem Jahr. Dennoch möchte ich gleich zu Beginn sagen, dass der Zwang sehr gut behandelbar ist, wenn man die richtige Therapie bekommt.

Ich habe mir damals geschworen, dass sobald es mir besser geht, ich mich dafür einsetzen möchte, Menschen mit Zwangserkrankung (und eventueller Angststörung und Depressionen) irgendwie zu unterstützen. Und daher schreibe ich diesen Betroffenenbericht und erzähle euch meine Geschichte.

Bis ich die Diagnose Zwangsstörung erhalten habe, vergingen 24 Jahre. 24 Jahre, die von sehr vielen schwierigen Phasen und sehr viel Leid geprägt waren. Die Diagnostik stellte sich ziemlich schwierig dar, da ich über alle Grenzen hinaus versuchte, mich selbst zu kontrollieren. Alles an mir. Mein Verhalten. Meine Gedanken. Auch weil diese Prozesse so sehr unterbewusst abliefen, dass ich sie oft nicht einmal selbst gemerkt habe, fiel es mir schwer, mich zu offenbaren.

Meine Karriere als Mensch mit Zwangserkrankungen fing bereits in der Kindheit an, auch wenn es damals weder mir noch meinen Angehörigen bewusst war. Dass mein Verhalten nicht „normal“ war, habe ich gespürt und deshalb vieles heimlich gemacht.

"What is the most resilient parasite? Bacteria? A virus? An intestinal worm? An idea. Resilient... highly contagious. Once an idea has taken hold of the brain, it's almost impossible to eradicate. An idea that is fully formed - fully understood - that sticks; right in there somewhere.”

Hallo, mein Name ist Toni, ich bin 26 Jahre alt und ich hatte wirklich sehr viele Zwänge in meinem Leben. Von Zwangshandlungen bis zu Zwangsgedanken war sehr vieles dabei. Stark zu kämpfen hatte ich mit meinen Zwängen fast 10 Jahre bis ich dann zum Glück Hilfe bekommen habe.

In diesem Bericht möchte ich meine Geschichte mit euch teilen. Ich werde euch davon berichten, was mir während meines Kampfes gegen die Zwangsstörung am besten geholfen hat und möchte damit vielleicht auch etwas Mut machen.

Ich bin Mutter zweier Söhne, 22 und 20 Jahre alt. Mein jüngerer Sohn hat eine Zwangserkrankung und ich würde sagen, wir stecken mittendrin im Schlamassel.

Ich bin Julius, Ende 30, und von außen betrachtet kann man wahrscheinlich sagen, dass ich erfolgreich bin und mit beiden Beinen im Leben stehe. Ich bin Leiter einer Firma mit Angestellten, die ich über Jahre selbst aufgebaut habe und in der ich gutes Geld verdiene. Ich bin seit weit über 10 Jahren mit meiner Freundin, mittlerweile Frau zusammen, lebe in einer schönen Wohnung und bin Teil der Gesellschaft. Schon mein ganzes Leben kämpfe ich aber in meinem Kopf mit Ängsten und Zwangsgedanken. Letztere waren mir sehr lange nicht bewusst, da die Problematik der Ängste größer erschien. Die Ängste waren vor allem um 2010-2012 besonders schlimm, ich konnte mir aber mit Lesen von Selbsthilfebüchern und konsequenter Konfrontation soweit selbst helfen, dass ich meinen Alltag gut bewältigen kann. Am Ende hängt bei mir beides auch zusammen. Die Grenze zwischen Angst und Zwangsgedanken ist fließend.

Geht ein Mann zum Arzt und sagt "Herr Doktor, wenn ich mit meinem Zeigefinger auf die Brust drücke, tut es mir weh. Wenn ich mit dem Zeigefinger gegen den Kopf drücke, tut es mir dort weh und wenn ich mit dem Finger auf den großen Zeh drücke, tut es mir da weh".

Hey du! Es ist schön, dass du dir die Zeit nimmst, meine Lebens- und vor allem Leidensgeschichte durchzulesen. Zu mir: Ich heiße Julian, bin 21 Jahre alt und arbeite als Erzieher.

Wenn ich zurückblicke, gab es schon in meiner Kindheit zwanghafte Züge, die mir natürlich nicht bewusst gewesen sind. In der achten Klasse rief ich meine Mutter über das Sekretariatstelefon an, sie soll bitte gucken, ob ich das Glätteisen ausgeschaltet habe.

2019 sollte eigentlich mein Lieblingsjahr werden. Denn eigentlich würde ich mit meinem Freund zusammenziehen, meine Therapie beenden und viele Konzerte besuchen. Doch alles kam anders ...

Mir ging es bereits seit Anfang 2020 nicht gut. Zu dieser Zeit plagten mich jedoch generalisierte Ängste, vor allem auf die Zukunft bezogen, sowie eine depressive Grundstimmung. Ich weiß nicht genau wieso, aber im Sommer 2020 ging es mir relativ schnell wieder gut. Ich hatte eine richtig gute Zeit, meditierte und ging wieder allen meine Hobbies nach.

Direkt nach meiner zweiten Elternzeit trat ich einen neuen Job an. Ich hatte mich umorientiert und konnte mit Null Vorkenntnissen im IT-Bereich als E-Commerce-Manager anfangen. Meine Abteilung bestand aus meinem Chef und mir. Schon am ersten Tag war es komisch. Mein Chef begrüßte mich zwar, führte mich aber nicht, wie man das am ersten Tag macht, durch die Abteilung. Keiner sonst schien mich zu bemerken. Keiner nahm mich mit in die Mittagspause. Ich bekam nur ein Blatt als Einführung. „Irgendwas stimmt nicht.", dachte ich und fühlte das mir schon lange vertraute Angststechen in der Brust. So vergingen die nächsten sechs Wochen. Mein Chef überließ mich den ganzen Arbeitstag mir selbst und ich konnte sonst keine Kontakte in dem Unternehmen knüpfen. Aus einem ängstlichen Gedanken wurde ein Monster, das mich nur noch in lauter Panik leben ließ. „Du bist ein nichts, wenn andere dich nicht beachten." Dieser Satz hämmerte Tag und Nacht in meinem Kopf und raubte mir den Schlaf. Ich nahm meinen Mut zusammen und bat meinen Chef zum Gespräch. Ich sagte ihm, wie ich mich fühlte.

Er kam auf einmal an einem normalen Sonntagnachmittag als ich mir einen Snack zubereitete. Ein harmloser Schluckauf, nichts weiter schlimm daran, wäre er nicht begleitet gewesen von dem Gedanken „kam das vielleicht gerade, weil ich falsch atme?". Eigentlich bin ich kein Mensch, der sich übermäßig viele Sorgen um die eigene Gesundheit macht, jedoch war er nun da, der Gedanke „Ich muss auf meine Atmung achten".

50 Jahre lang musste ich unter meinen Zwängen leiden, bis ich im Alter von 80 Jahren endlich an den richtigen Ort kam, wo mir geholfen wurde. Nach vielen Therapien, Coachings und „Methoden", die nichts gebracht hatten, erfuhr ich nun zum ersten Mal, was ich all die Jahre gehabt hatte und begann in einer Spezialklinik für Zwangsstörungen meinen Weg aus den Zwängen. Mit meiner Geschichte möchte ich euch Mut machen, dass es auch im hohen Alter und nach jahrzehntelangen Zwängen noch Wert hat, eine Verhaltenstherapie mit Expositionen zu machen, um ein befreites Leben zu bekommen.

Meine Geschichte mit meinem Kobold im Kopf begann schon im Kindesalter. Im Nachhinein sind mir viele Situationen aufgefallen, in denen ich schon als Kind Zwangsgedanken hatte. Ich hatte immer Angst, wenn ich nicht dreimal einatme, würde etwas Schlimmes passieren. Ich durfte beim Gehen auf Platten keine Fuge berühren, keine ekligen Dinge berühren oder manche Gegenstände nur auf eine bestimmte Weise.

Der Zwang ist für mich wie ein böser Papagei, der ständig auf der Schulter sitzt und mir einredet, was alles passieren würde, wenn ich nicht kontrollieren würde. Seit Herbst 2017 plagen mich Zwangsgedanken und Zwangshandlungen - Zwangshandlungen in Form von ständigem Kontrollieren.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie verzweifelt ich als ca. achtjähriges Mädchen jeden Abend mit Tränen ins Badezimmer lief, um mir immer und immer wieder meine Hände zu waschen. Irgendwann waren meine Hände so rissig und trocken, dass ich mein Leid nicht mehr verstecken konnte und auch von außenstehenden Personen darauf angesprochen wurde.

Ich bin Amina, 23 Jahre alt, und leide seit 2019 an Zwangsgedanken gegen die Beziehung (ROCD). Angefangen hat es kurz nachdem mein Freund und ich nach einer kurzen Trennung seinerseits wieder zusammengekommen sind. Ich habe Gedanken bekommen, die sehr aufdringlich, wiederkehrend und im Wechsel ständig da waren.

„Hallo, ich bin Jess" - Diesen Satz habe ich heute, am 15.08.2021, zusammen mit einem Bild von meinem Gesicht in meinem Blog und auf Instagram gepostet. Es hat fast 30 Jahre gedauert, bis ich es mit 42 Jahren geschafft habe, diesen Schritt in die Sichtbarkeit zu wagen. Aber lasst mich von vorne beginnen.

Die Geburt eines Kindes! War es wirklich das, was ich mir gewünscht habe? Wir wollten ein Kind. Ich wurde im September letzten Jahres schwanger mit meiner Tochter. Davor hatte ich eine Fehlgeburt. Es war schlimm und ich konnte es nicht ertragen, schwangere Frauen zu sehen. Im Januar 2021 hat es dann mit den ersten Zwangsgedanken angefangen: "Das Kind soll in meinem Bauch sterben, ich will es nicht, hoffentlich stirbst du!"

Seit ich denken kann, begleiten mich Zwänge. Vorrangig Zwangsgedanken, die ich aber auch mit Zwangshandlungen zu neutralisieren glaube. Der Beginn war in meiner frühen Kindheit. Was würde geschehen, wenn Gerhard Schröder nicht mehr Kanzler werden würde? Richtig: die Welt würde sich auflösen und das Chaos beginnen. Ich begann diesen Gedanken wegzuschieben, bereitete er mir doch zu große Angst.

Ich leide seit ich denken kann an aufdringlichen Gedanken - Zwangsgedanken. Leider weiß ich erst seit Mitte 2020, dass ich eine Zwangserkrankung habe bzw. das es so etwas überhaupt gibt. Die längste Zeit wusste ich nicht was los ist und ich dachte, es stimmt etwas nicht mit mir.

Meine Zwangsstörung begleitet mich seit meinem vierzehnten Lebensjahr. Meine Zwänge drehen sich um verschiedene Themen, die sich mit der Zeit teilweise verändert haben. In diesem Artikel möchte ich über die Art von Zwangsgedanken sprechen, die mich momentan am meisten belasten und die im englischsprachigen Raum als „existential OCD" bezeichnet wird, also auf Deutsch „existentielle Zwangsgedanken".

„Such a shame" sang die Pop-Band Talk Talk in den 80er Jahren. Auch „It's my life" sangen sie und ebenfalls Bon Jovi sang dies. Was möchten wir? Uns wegen unserer Zwänge schämen oder diese behandeln und unser Leben genießen? Ich habe mich gegen das Schämen wegen meiner Zwänge und für mein Leben ohne diese lästigen Quälgeister entschieden!
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